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Wo gehen wir hin, wenn wir sterben?

Kleine Überlegungen von Margarete für Eltern und Großeltern

Die Frage, wohin wir gehen, wenn wir sterben, stellen sich nicht wenige Menschen. Manche glauben an die Existenz von Himmel und Hölle. Sie versuchen, im Leben alles richtig zu machen, um eines Tages in den Himmel eingelassen zu werden. Denn dort soll es wunderschön und friedlich sein. Im Gegensatz dazu steht das Bild von der Hölle, in der die Bösen auf ewig dem brennenden Feuer ausgesetzt werden sollen. Gruselige Vorstellung!

Weil kein Mensch nur gut oder nur böse ist, gibt es dann angeblich noch das Fegefeuer. Wenn man es zu Lebzeiten nicht übertrieben hat mit dem Bösen, kann man sich da von seinen Verfehlungen reinigen und irgendwann dann doch in den Himmel eingelassen werden.

Insbesondere das mit der Hölle ist für mich ein großes Missverständnis. Ich könnte mir vorstellen, dass frühe Menschen einmal die verheerende Kraft des Feuers erlebt haben, z.B. bei Vulkanausbrüchen. Was dann passiert, haben Archäologen bei Ausgrabungen wie in Pompeji festgestellt. Die glühende Lava verbrennt alles Lebendige. Jeder von uns weiß ja aus eigener Erfahrung, wie weh es tut, wenn man sich verbrennt. Wen würde es also wundern, wenn Menschen sich das Feuer als die schlimmste denkbare Strafe ausgedacht haben?

Wo sollen Himmel und Hölle überhaupt sein?

Da ist zum einen die naive Vorstellung von oben (Himmel) und unten (Hölle). Heute wissen wir, dass das mit unten und oben nicht so einfach ist. Wenn das Weltall in ständiger Ausdehnung begriffen und damit unendlich ist, wo bitte schön sind dann oben und unten?

Gegen die Existenz von Himmel und Hölle spricht auch, dass die Vorstellungen von gut und böse in unterschiedlichen Kulturen und manchmal sogar innerhalb dieser Kulturen stark voneinander abweichen. Ich halte beispielsweise Missbrauch und andere Arten von Gewalt gegenüber Kindern, quälerische Tierhaltung und die Zerstörung der Artenvielfalt auf der Erde für die schlimmsten vorstellbaren Verbrechen. Aber sieht das jeder so? Vermutlich nicht (da kommen wir natürlich in philosophische Gefilde. Gibt es das absolut Böse und das absolut Richtige? Diese Frage überspringe ich hier.). Wonach wird also entschieden, wer in den Himmel darf und wer in die Hölle muss? Gut, dass ich das nicht entscheiden muss. Damit wäre ich hoffnungslos überfordert!

Nehmen wir mal an, Himmel und Hölle gäbe es nicht, wo sind wir dann, wenn wir gestorben sind?

Wir Erwachsenen müssen diese Frage für uns selbst ja gar nicht abschließend beantworten. Ich zum Beispiel bin da ganz neugierig und denke mir, das merke ich dann schon.

Den rein physikalischen Vorgang der Veränderung des Körpers nach dem Tod kennen wir. Jetzt kommt es darauf an. Glauben wir, dass mit dem körperlichen Verfall alles vorüber ist? Hören wir dann endgültig auf zu sein?

Oder denken wir, dass wir zu Lebzeiten aus Körper und so etwas wie Seele bestehen? Wohin wandert unsere Seele in diesem Fall?

Zu diesem Thema gibt es unzählige Fragen. Auf der Suche nach den Antworten entstehen immer neue Fragen…  

Stellen wir uns einmal vor, in unserer Familie stirbt ein geliebter Mensch und wir müssen unserem Kind oder Enkelkind erklären, wo dieser Mensch jetzt ist. Was sagen wir da mit all unserer Trauer und den eigenen ungeklärten Fragen?

In dieser Situation befinden sich in meinem Buch Das Blinzeln der Venus die Eltern des neunjährigen Florian.

Ich glaube nicht, dass es die eine richtige Antwort gibt. Nach meiner Erfahrung sind zwei Dinge wichtig.

Das eine ist, sich in der Vorstellungswelt des Kindes zu bewegen. Ein Neunjähriger wird sich vielleicht nicht mehr mit der Aussage zufrieden geben: „Opa ist im Himmel.“ Eine Vierjährige vielleicht schon. Letztlich können das nur wir Eltern beurteilen. Wir kennen unsere Kinder.

Die Eltern von Florian entscheiden sich für den Weg der Fantasie, um den Verlust für ihren Sohn erträglich zu machen. Zu Hilfe kommt ihnen die Begeisterung von Florian für die Sterne und die Sternbilder. Diese Begeisterung teilte er mit seinem Großvater. Die beiden schmiedeten Pläne, um eines Tages gemeinsam zur Venus zu reisen. Wen wundert es also, dass Florians Suche nach dem Großvater ihn zu den Sternen führt?

Das versteht auch Florians Vater. Über die Sterne findet er den Weg zu seinem Sohn und kann ihn behutsam auf dem Weg durch die Trauer begleiten.

Ebenso wichtig ist, dass wir als trauernde Erwachsene authentisch bleiben. Vermutlich bin ich selbst traurig über den Verlust des geliebten Vaters. Möglicherweise frage ich mich auch, habe ich genug Fürsorge aufgebracht?

Wie tröste ich, wenn ich selbst des Trostes bedarf? Kinder merken, wenn ihnen etwas vorgespielt wird. Durch die gelebte Trauer der Erwachsenen lernen sie, dass Verlust und Traurigkeit zum Leben dazu gehören und dass sie mit diesen Gefühlen nicht alleine sind. Nach meiner Erfahrung können sie sich so langsam vom Verlust lösen und dem Leben zuwenden.

So ergeht es auch Florian in meiner Geschichte. Er muss den Großvater nicht vergessen, aber er erfährt, dass das Leben weiter geht. Er wird geliebt.  

Margarete







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